kinderlärm Anton Schmid Kopie

Ich will beliebt sein Mami

Liebe und Hass, Mitleid und Schadenfreude, Stolz und Neid – wenn die großen und kleinen Emotionen unseren Weg kreuzen, erleben wir oft Situationen, die sich für lange Zeit tief in unsere Erinnerung einbrennen. Wie wir mit diesen Emotionen umgehen, prägt nicht nur unsere Persönlichkeit, sondern auch das Bild, das sich andere Menschen von uns machen. Darauf sollten Eltern ihre Kinder gut vorbereiten. Wer den richtigen Umgang mit den eigenen Emotionen beherrscht, tut sich im Leben nämlich bedeutend leichter.

Sunnyboy und Ungustl: Wie sie wurden, was sie sind

Thomas*, 9, ist kein besonders beliebtes Kind: Er neigt zur Schadenfreude, und wenn er etwas besser kann, als andere Kinder, verhöhnt er diese. Selbst ist er ziemlich schnell beleidigt, er kann leicht ausrasten und ist daher oft in Streitereien und Rangeleien verwickelt. Die meisten Kinder sind froh, wenn sie nicht allzu viel mit Thomas zu tun haben. Das ärgert Thomas, und macht ihn immer mehr empfindlich für mögliche und tatsächliche Benachteiligungen im sozialen Gefüge der Klassengemeinschaft. Und weil er sehr temperamentvoll ist, hat er deshalb immer mehr Schwierigkeiten mit Lehrern und Mitschülern. Ein Teufelskreis, aus dem es nur schwer einen Ausweg gibt.

Der Klassen-Primus in Sachen Beliebtheit

Sein Klassenkamerad Lukas*, 9, ist in der Beliebtheits-Skala top. Ihn verbindet mit mehreren Mitschülern eine echte Freundschaft. Kein Wunder: Lukas kann mitlachen, wenn man ihn wohlwollend auf die Schaufel nimmt, und er behält in Stress-Situationen fast immer einen kühlen Kopf. Außerdem verfügt er über eine stark ausgeprägte Empathiefähigkeit, was ihn zu einem sehr hilfsbereiten und sozialen Kind macht. Lukas und Thomas haben beide ihre Rolle im sozialen Gefüge der Klasse. Das wird von den meisten Mitschülern auch gar nicht groß hinterfragt. Die beiden sind eben so, wie sie sind. Punkt. Dabei könnten sie auch ganz anders sein. Dass der eine der Klassen-Primus in Sachen Beliebtheit ist, und der andere den Ungustl geben muss, liegt nämlich vor allem daran, dass Lukas von seinen Eltern den richtigen Umgang mit den eigenen Emotionen gelernt hat. Bei Thomas dagegen ist hier einiges schief gelaufen.

Ein Elefant im Gefühls-Porzellanladen

Der Umgang mit den eigenen Emotionen ist sehr oft der Schlüssel zum Herz der Mitmenschen. Wer seine eigenen Emotionen versteht, findet meist auch leichter den richtigen „Draht“ zu potentiellen Freunden, Partnern, zu Kollegen und Vorgesetzten. Wer dagegen mit den eigenen Emotionen auf Kriegsfuß steht, wandert leicht ins berufliche und gesellschaftliche Abseits. Es kommt eben kaum gut an, wenn man wie ein Elefant im Porzellanladen auf den Gefühlen seiner Mitmenschen herumtrampelt. Gerade in Zeiten, in denen klare Hirarchien und straffe Autoritätsverhältnisse im Privatleben, in Bildungseinrichtungen und in der Jobwelt vielfach an Bedeutung verlieren, werden auch emotionale Kompetenzen (Stichwort: Soft Skills) immer wichtiger. Wie man mit Emotionen umgeht, hängt sehr stark mit den ersten Eindrücken und Erfahrungen zusammen, die man in emotionalen Situationen sammelt.
Die wichtigsten Partner sind hier in der Regel Mama und Papa, Geschwister und andere Bezugspersonen. Die ersten Lektionen in Sachen „Umgang mit Emotionen“ bekommen Menschen übrigens schon in den ersten Wochen und Monaten nach ihrer Geburt.

So werden Säuglinge zu Emotions-Experten

„Eine besondere Bedeutung im Umgang mit Emotionen kommt den ersten Bindungserfahrungen eines Kindes zu,“ erklärt Dr. Monika Wertfein, Psychologin und Spezialistin für emotionale Entwicklung und elterliche Förderung am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. „Erfährt ein Kind bereits im Säuglingsalter, dass seine Bedürfnisse und Äußerungen von der primären Bezugsperson, meist ist das die Mutter, wahrgenommen und zuverlässig befriedigt werden, entwickelt es Selbstvertrauen und eine sichere Bindung.“ Ausgehend von dieser sicheren emotionalen Basis können die Kinder dann leichter Kontakte knüpfen und selbstbewusst Erfahrungen in sozialen und emotionalen Situationen sammeln. „Ein Kind, das seine Eltern aber als wenig zuverlässig erlebt und dessen Gefühlsausdruck kaum beachtet wird, wird sich eher zurückziehen und Gefühlsäußerungen vermeiden,“ weiß Wertfein. „Auf diese Weise werden förderliche Erfahrungen mit emotionalen Situationen verhindert, so dass es dem Kind später schwer fällt, Freundschaften zu knüpfen oder Konflikte konstruktiv zu lösen.“

Lebenslanges Lernen hilft gegen Emotions-Schwächen

Es sind also vor allem die (Bindungs-)Erfahrungen im ersten Lebensjahr, die auch für das spätere emotionale Gleichgewicht eine sehr große Rolle spielen. Aber: Der Mensch lernt ja bekanntlich nie aus, und auch das Emotions-Handling ist einem lebenslangen Lern- und Reifeprozess unterworfen. Immer wieder macht man innerhalb der Familie, aber auch mit Freunden, Mitschülern, Lehrern, Partnern, Vorgesetzten und Kollegen Erfahrungen mit Emotionen, die schmerzhaft oder angenehm sein können, in jedem Fall aber zur Weiterentwicklung der emotionalen Reife beitragen. „Dabei können wir auch unsere Haltung gegenüber emotionalen Ereignissen und unsere Bewältigungsstrategien verändern. Im Vordergrund stehen dabei die Reflexion und Integration
negativer Erlebnisse und die spätere Erfahrung einer sicheren Basis durch verlässliche Beziehungen,“ meint Dr. Wertfein, die uns auch verrät, wie Eltern zu guten Emotions- Coaches werden (1), und welche Fehler Mama und Papa beim Emotions-Coaching unbedingt vermeiden sollten. Sicher ist: Wer seine Rolle als elterlicher Emotions- Coach ernst nimmt und gut ausübt, tut seinen Kindern viel Gutes – und erspart sich selbst möglicherweise viele bittere Stunden als Seelentröster, die dann anfallen, wenn der Nachwuchs keine Freunde hat und immer wieder unter Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen
Bereich leidet.

„Kinder, die eine hohe emotionale Reaktivität haben, die schnell emotional erregt sind und häufig schlecht gelaunt sind, tun sich schwer, ihre Emotionen selbst zu regulieren und sind daher stressanfälliger. Durch aggressives und feindseliges Verhalten lösen sie bei Eltern oder Gleichaltrigen zurückweisendes Verhalten aus, das weitere Feindseligkeit und Unzufriedenheit beim Kind hervorruft – ein Teufelskreis negativer Interaktionen entsteht.“ Dr. Monika Wertfein, Psychologin und Spezialistin für „emotionale Entwicklung und elterliche Förderung“ am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München

 

So können Sie die „emotionale Kompetenz“ Ihrer Kinder stärken

Grundsätzlich können Eltern die emotionale und soziale Entwicklung ihrer Kinder durch ein positives Familienklima (z.B. großer Zusammenhalt, wenig Feindseligkeit, konstruktive Kommunikation) fördern. Durch das so genannte „Emotionscoaching“ können Sie die emotionale Entwicklung fördern, indem Sie...
• Sich Ihrer eigenen Emotionen bewusst sind
• Ihr Kind bei der Benennung seiner Gefühle unterstützen
• Emotionale Situationen grundsätzlich als Gelegenheiten betrachten, Ihrem Kind nahe zu kommen und Lernerfahrungen zu ermöglichen
• Auch den Ausdruck von negativen Emotionen (z.B. Wut, Trauer, Enttäuschung) akzeptieren,
• Sich „feinfühlig“ verhalten, indem Sie auch wenig intensive Gefühlsäußerungen Ihres Kindes wahrnehmen, richtig deuten und prompt darauf reagieren
• Im Sinne einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ gemeinsam mit dem Kind Strategien zur konstruktiven Problemlösung entwickeln.

So werden Sie ein Top-Emotions-Coach (1)

Eltern, die im Sinne des „Emotionscoaching“ handeln, begeben sich „in die Welt des Kindes“ und versuchen, das emotionale Ereignis mit „Kinderaugen“ zu betrachten. Im Gegensatz zu überforderten oder unsicheren Eltern fördern sie die emotionale Entwicklung des Kindes, indem sie...
• Die Gefühle des Kindes ernst nehmen, anstatt sie zu ignorien, verkleinern oder abzuwerten
• Dem Kind vermitteln, dass seine Gefühle wichtig sind und akzeptiert werden
• Das Kind auch auf mögliche Emotionen ansprechen (z.B.: „Du schaust traurig aus.“)
• Dem Kind geduldig zuhören, ohne es auszufragen
• Dem Kind helfen, seine Gefühle zu benennen
• Durch offene Verständnisfragen (keine Warumfragen) und Zusammenfassen des Gesagten das Kind dabei unterstützen, den Auslöser für eine Emotion zu beschreiben.
• Wenn das Kind seine Gedanken sortiert, wieder einen „klaren Kopf“ hat, und das Gefühl genügend Raum bekommen hat: Gemeinsam nach einer Problemlösung suchen

"Ich bin glücklich" - Mir "geht's nicht gut"

Wer seine Gefühle und emotionalen Reaktionen anderen mitteilen kann, hat es oft leichter im Leben. Am einfachsten erlernen Kinder die Kunst, ihre Gefühle auszudrücken, wenn die Eltern offen mit ihren Gefühlen umgehen. Wichtig sind auch Gespräche, in denen typische Auslöser und Merkmale emotionaler Reaktionen besprochen werden.

*Namen geändert

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