erbschaft

So (ver)erben Sie richtig

BabyExpress: Ist es bis zum August 2008 steuerlich gesehen besser, wertvolle Güter noch zu Lebzeitenzu „verschenken“?

Mag. Kurt Wallnberger: Große Unterschiede gibt es zwischen der Erbschaftsund Schenkungssteuer nur im Bereich des endbesteuerten Kapitalvermögens. Das sind Werte wie etwa Sparbücher, Girokonten und festverzinsliche Wertpapiere, die bislang beim Erwerb durch Erbschaft steuerfrei sind und bei Schenkung der Steuer unterliegen. Zur Steueroptimierung gibt es hier allerdings noch einige Möglichkeiten, wie gemischte Schenkungen oder Rentenmodelle. Gemischte Schenkungen sind Schenkungen, die mit einer Gegenleistung, die weniger als die Hälfte des Wertes der Schenkung entsprechen, verbunden sind. Zur Optimierung der Steuerbelastung sollte man sich mit einem Steuerberater in Verbindung setzen, um den konkreten Fall zu analysieren. Zu beachten ist, dass Vorschenkungen in manchen Fällen auf die spätere Erbschaft angerechnet werden müssen.

Ist derzeit ein guter Zeitpunkt, um Schenkungen vorzunehmen, oder sollte man eher abwarten, wie sich die Gesetze entwickeln?
Aktuell ist noch ein Beschwerdefall beim VfGH anhängig, allerdings ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Ob eine Aufhebung der  Schenkungssteuer mit ähnlicher Begründung wie bei der Erbschaftssteuer erfolgt, ist noch fraglich, aber wahrscheinlich. Es ist daher ratsam, mit Schenkungen zuzuwarten, bis die künftige Rechtslage absehbar ist. Dann kann ein Steuerbelastungsvergleich vorgenommen werden, um die günstigere Rechtslage umzusetzen. Durch eine entsprechende zivilrechtliche Ausgestaltung des Schenkungsvertrages ist es allerdings möglich, bereits jetzt zu schenken und dennoch den Vorteil des Entfalls der Erbschaftssteuer zu generieren. Vor übertriebener Eile mit unüberlegten Schenkungen sollte allerdings gewarnt werden.

Das Erben von Grund wird auch nach dem Auslaufen der Erbschaftssteuer am 31. Juli 2008 nicht steuerfrei sein. Tun Menschen, die davon ausgehen,
in absehbarer Zeit etwas zu vererben, Ihren Erben etwas Gutes, wenn Sie z.B. den Grund verkaufen und dann den Verkaufswert in Bargeld vererben?

Das Erben von Liegenschaftsvermögen ist nach dem Auslaufen der Erbschaftssteuer zwar erbschaftssteuerfrei, allerdings fällt die Grunderwerbsteuer an. Diese ist mit dem Dreifachen des Einheitswertes zu bemessen und beträgt 2% für nahe Verwandte und 3,5% für andere Personen. Beim Vererben von  Barvermögen fällt nach dem voraussichtlichen Auslaufen der Erbschaftssteuer keine Steuerbelastung mehr an. Schon jetzt ist das Vererben von  Sparguthaben und Wertpapieren steuerfrei, weil endbesteuert. Wie schon erwähnt, sollte man aber nicht übereilig reagieren, da die Erbschaftssteuer noch bis 31.7.2008 anfällt und daher ein überraschender früherer Erbanfall noch andere Konsequenzen nach sich zieht. Das kann zum Beispiel die Vererbung des Bargeldes mit der hohen Erbschaftssteuerbelastung statt der entsprechend niedrigeren mit dem dreifachen Einheitswert sein. Hier empfiehlt sich
jedenfalls die Anlage in endbesteuertem Geldvermögen.

 

„Durch eine entsprechende zivilrechtliche Ausgestaltung des Schenkungsvertrages ist es möglich, bereits jetzt zu schenken und dennoch den Vorteil des Entfalls der Erbschaftsteuer zu generieren.“ Mag. Kurt Wallnberger, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater TRUST Treuhand-Gruppe

Blut ist dicker als Erbschaftssteuer

Der Grad der Verwandtschaft beeinflusst die Erbschaftssteuer erheblich. Die Hinterbliebenen werden nämlich je nach dem Grad der Verwandtschaft in fünf unterschiedliche Steuerklassen eingeteilt. Der Steuersatz wird dann nach der Höhe des Erbes sowie nach dem Verwandtschaftsgrad gestaffelt. Dies kann von 2% (Klasse I – Ehegatte und Kinder – Erbe bis 7.300) bis 14% (übrige Erwerber – unter diese fallen auch Tanten und Onkeln – Erbe bis 7.300) und 15% (Klasse I – Erbe über 4.380.000) bis 60% (Klasse V – Erbe über 4.380.000) differieren. Die Steuersätze betragen zwischen 2% und 60%, d.h. die Erbschafts- und Schenkungssteuer hat einen progressiven Steuertarif. Je höher die Zuwendung und je weiter die Verwandtschaft, desto teuer wird erben oder schenken.

Die gesetzliche Erbfolge

Bei der gesetzlichen Erbfolge sind die gesetzlichen Erben ausschließlich die Kinder, der Ehegatte sowie Verwandte des Erblassers. Wie viel z. B. der Ehegatte erhält, hängt von den restlichen Erben ab. Neben dem 1. Parentel (die Kinder) erhält der Ehegatte ein Drittel. Neben dem 2. Parentel (Eltern und Geschwister) ist der Anteil des Ehegatten zwei Drittel. Neben der 3. Parentel (die Großeltern des Verstorbenen oder  deren Nachkommen) erhält der Ehepartner grundsätzlich auch zwei Drittel. Die gesetzliche Erbfolge kommt zur Anwendung, wenn kein Testament vorliegt.

So teuer ist schenken

Nichts ist umsonst – auch das Schenken bzw. Beschenkt-werden nicht. Beispiel: Schenkt der Vater seinem Sohn eine lastenfreie Wohnung mit einem Einheitswert von EUR € 15.000,-, fallen folgende Belastungen an: Schenkungssteuer vom dreifachen Einheitswert (€ 45.000,- ) – abzüglich dem Freibetrag von € 2.200,00 (sofern keine Vorschenkungen vorhanden) = € 42.800,- Bemessungsgrundlage. Davon 3,5% Schenkungssteuer ergibt € 1.498,-. Dazu kommt noch das Grunderwerbsteuer- Äquivalent von 2%, das sind € 856,-. Gesamt fällt somit € 2.354,- an Steuer an. Weitere Nebenkosten sind die Gebühren für die Vertragserrichtung, sowie die Eintragungsgebühr beim Grundbuch und die Kosten für den Notar.

 

So viel kassiert der Staat wenn Sie erben...

WIE VIEL AN STEUERN MUSS DER ERBE BEZAHLEN, WENN ER...

... EIN HAUS IM WERT VON CA. 200.000 EURO ERBT? ... EIN GRUNDSTÜCK IM WERT VON CA. 100.000 EURO ERBT?
Unbebaute Grundstücke und Häuser – also bebaute Grundstücke – werden gleich behandelt. Dabei hängt die Besteuerung nicht vom (Verkehrs)wert ab, sondern vom steuerlichen Einheitswert. Dieser beträgt oft nur 1/10 des tatsächlichen Wertes. Die Steuer bemisst sich vom dreifachen Einheitswert – davon sind noch gestaffelte Freibeträge abzuziehen, die bei 100.000,- Euro je nach Verwandtschaftsgrad zwischen 6% und 30% betragen. Nachdem aber der Einheitswert eines Gebäudes mit einem Verkehrswert von 100.000,- Euro häufig viel niedriger ist (oft nur ein 1/5), ergibt das, wenn man annimmt, dass der Einheitswert nur ca. 20.000,- Euro beträgt, 2,5 bis 16%. Dazu kommt noch das Grunderwerbsteuer-Äquivalent in Höhe von 2% bei nahen Verwandten bzw. 3,5% bei „entfernten“ Verwandten. Diese „Bevorzugung“ im Rahmen der Bewertung führte übrigens zur Verfassungswidrigkeit der Erbschaftssteuer.

... EIN AUTO IM WERT VON CA. 20.000 € ERBT?
Für bewegliche körperliche Gegenstände gibt es für die Steuerklassen I und II einen Freibetrag von bis zu EUR 1.460,- pro Erwerber.

... EIN HISTORISCHES GEMÄLDE IM WERT VON CA. 10.000 € ERBT?
Nicht zur Veräußerung bestimmte bewegliche körperliche Gegenstände, die geschichtlichen oder kunstgeschichtlichen oder wissenschaftlichen Wert haben und sich seit mindestens 20 Jahren in der Familie des Erblassers befinden sind steuerfrei, sofern die Steuerklassen I bis III (Ehegatte, Kinder, Stiefkinder, Enkelkinder, Urenkel, Eltern, Großeltern und weitere Voreltern, Stiefeltern, Geschwister) erben. Werden diese Gegenstände allerdings innerhalb von 10 Jahren nach Erbanfall veräußert, so wird die Steuer nachträglich erhoben. Besitzt das Gemälde keinen kunstgeschichtlichen Wert, so beträgt die Erbschaftssteuer zwischen 2,5% bis 16%.

... 100.000 € IN BAR ERBT?
Bei EUR 100.000,- in bar fallen zwischen 6% und 30% Steuer an, je nachdem, in welcher Steuerklasse man sich befindet. Handelt es sich um Bankguthaben oder Wertpapiere, fällt wegen deren Endbesteuerung beim Vererben keine Steuer mehr an.

... EINE FIRMA/EINEN BETRIEB IM WERT VON CA. 200.000 € ERBT?
Bei Erwerben von Todes wegen und Schenkungen unter Lebenden (Vorbedingungen: über 55 oder erwerbsunfähig) ist für Unternehmen mit mindestens 25%iger Beteiligung ein Betrag bis zu 365.000 € steuerfrei. Bei einem entsprechend geringeren Anteil ist der Freibetrag anteilsmäßig umzurechnen. Die hier angefragte Firma kann steuerfrei übergeben werden.

UND WENN DER ERBE DIESELBEN GÜTER UND WERTE „GESCHENKT“ BEKOMMT?
Die Schenkungssteuer ist in vielen Fällen aliquot zur Erbschaftssteuer. Vorschenkungen innerhalb der letzten 10 Jahre werden berücksichtigt, das heißt alle Schenkungen der letzten 10 Jahre sind zusammenzurechnen, bei der letzten Schenkung gilt daher immer die höchste Steuerprogression.

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