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Sicher auf der Skipiste unterwegs

Im Winter müssen jeden Tag rund 345 Skifahrer und Snowboarder aufgrund teils schwerer Verletzungen in Österreichs Krankenhäusern behandelt werden. Mehr als neun von zehn Unfällen könnten verhindert werden, sind sich Experten des österreichischen Versicherungsverbandes VVO, dem KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und Bergsportlegende Prof. Habeler sicher. Sie entstehen nämlich aufgrund mangelnder körperlicher Fitness und Selbstüberschätzung.

Mehr als 50 Millionen Schitage zählen Österreichs Touristiker Jahr für Jahr. Eine Zahl mit großer Bedeutung für die heimische Wirtschaft. Hinter den Jubelzahlen für Tourismusbetriebe stehen aber auch hohe Unfallzahlen: Mehr als 52.000 Wintersportler landen Jahr für Jahr in Spitälern.

Wer ist schuld an den vielen Unfällen?

"Risikofaktor Nummer Eins ist der Ski- bzw. Snowboardfahrer selbst. Die meisten aller Unfälle passieren ohne Fremdverschulden. Das heißt: 
Die Personen überschätzen sich, ihr Fahrkönnen und die eigene Fitness", erklärt Dr. Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich und Vizepräsident des österreichischen Versicherungsverbandes VVO.

Die Statistik untermauert die Analyse: Nur 6 von 100 aller Pistenportunfälle sind Zusammenstöße mit anderen Pistenbenützern, 94 von 100 sind Alleinunfälle. Die größten Risikofaktoren darunter sind zu hohe Geschwindigkeiten und die damit verbundene Selbstüberschätzung, sowie Übermüdung, mangelnde Konzentration und Kraftlosigkeit, also kurz gesagt: fehlende Fitness.

Raser in Lebensgefahr: 80 km/h entsprechen Sturz aus 8. Stockwerk Die neuesten Analysen des KFV machen die Gefahr der Selbstüberschätzung noch deutlicher: APP-Datenauswertungen von mehr als 34.000 Tracks zeigen, dass jeder fünfte Wintersportler wenigstens kurzfristig Spitzengeschwindigkeiten von über 80 km/h erreicht. „Mit solchen Geschwindigkeiten riskieren die Skifahrer und Snowboarder nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch ihr Leben“, so der KFV Direktor Dr. Othmar Thann.

„Ungeschützt und ungebremst gegen ein hartes Hindernis (Wand, Baum etc.) entspricht ein Aufprall mit 70 bis 80 Stundenkilometern ungefähr einem Sturz aus 20 bis 25 Metern – das wäre der 7. bis 8. Stock eines Gebäudes.“

So sieht der typische Wintersportunfall aus

Kaum fallen die Worte Übermut, Selbstüberschätzung und Raserei, stehen Männer unter Generalverdacht. Diese Annahme ist nicht ganz unberechtigt: 6 von 10 der verunfallten Skifahrer und 7 von 10 der verunfallten Snowboarder sind männlich. Mehr als die Hälfte aller Unfälle treten am Nachmittag ein. Kraft und Konzentration lassen nach einem anstrengenden Vormittag nach, ohne dass dies bemerkt wird. Fast die Hälfte (49 Prozent) der Unfälle enden mit Knochenbrüchen, rund 7 Prozent mit Kopfverletzungen.

Pro Jahr versterben ca. 40 Personen auf den Pisten bzw. im organisierten Skiraum. Bei jedem Dritten liegt die Ursache an einer Herz-Kreislauf-Störung, jeder Vierte (25 Prozent) verunglückt bei Stürzen bzw. Abstürzen.

Abseits der Piste sind die Lawinen die größte Gefahrenquelle, weiß Extremsportler und Bergführer Prof. Peter Habeler. Rund 100 Lawinenunfälle verzeichnet Österreichs Unfallstatistik Jahr für Jahr. Jeder Dritte wird durch sogenannte Variantenfahrer ausgelöst. Diese sind in der Nähe der Skigebiete im Tiefschnee unterwegs. Das Problem: 
Oft fehlt es Ihnen an Know-How für den ungesicherten Skiraum, Erfahrung und Ausrüstung. „Viele Wintersportler glauben, einfach alles ist leicht machbar. Mangelnde Kenntnis führt zu fatalen Fehleinschätzungen. In den Bergen gilt: Sicherheit geht vor!“, so Habeler. „Nie vergessen werden sollte, dass trotz moderner Sicherheitstechnik, die Zerstörungskraft von Schneebrettern und Lawinen gewaltig ist und nicht unterschätzt werden darf. In den meisten Fällen sehen Todesgefahren sogar eher harmlos aus. Fachkenntnisse sind das Um und Auf. Lassen Sie es zu einem Unfall erst gar nicht kommen!“

Wie können die Unfälle verhindert werden?

Auch KFV-Direktor Dr. Othmar Thann hat einfache Tipps für alle Wintersportler: „Regelmäßige Pausen beugen Übermüdung und Überforderung vor. Tragen Sie auf jeden Fall entsprechende Schutzausrüstung. Zumindest ein Skihelm sollte im Jahr 2016 Standard sein." Gerade bei Kopfverletzungen sind die Österreicher bereits sensibilisiert: "Fast alle Kinder unter 15 Jahren tragen einen Helm beim Skifahren ", erkennt Thann wachsendes Sicherheitsbewusstsein.

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