Kampf im Netz, 1

Kinder beflegeln sich immer öfter online. Beliebte Plattformen werden dabei zum Schauplatz der wilden Streitereien.

Sie streiten, beschimpfen und beflegeln sich – auf Tastendruck. Kinder und Jugendliche nutzen wir virtuelle Welten und Online- Gemeinschaften zunehmend zum Austragen von Konflikten. Nicht nur die Freizeitgestaltung an sich verlagert sich ins Internet, auch die typischen Schulhofstreitereien, Mobbing und schlechtes Benehmen werden in die Parallelwelten übertragen. Die Heranwachsenden müssen bei ihren Online- Aktivitäten nicht nur vor kriminellen  Erwachsenen sondern auch voreinander geschützt werden, warnen nun Experten. In den Online-Welten häufen sich für Kinder die Fälle von gegenseitigen
Gemeinheiten. Immer mehr Kids verkaufen gefälschte virtuelle Waren, beleidigen sich gegenseitig oder stehlen anderen ihre Passwörter.

Täter und Opfer

„Leider kommt es vor, dass Menschen online Streitigkeiten austragen, andere mobben oder bedrohen. Auch Kinder und Jugendliche können dabei zum Täter oder zum Opfer werden“, sagt Katja Knierim, Projektleiterin Chats und Social Communitys von der Initiative jugendschutz.net. Das Problem zieht sich quer über verschiedenste Online-Plattformen – angefangen von sozialen Netzwerken über Foren bis hin zu den Internet-Welten. „Beleidigungen und Bedrohungen können via E-Mail, Instant Messenger, Chat, Forum oder Gästebuch ausgesprochen werden“, so Knierim weiter. Die Formen des Mobbings seien vielfältig.

Kinder-Plattformen

Schauplatz der gegenseitigen Gehässigkeiten sind meist jene Plattformen, die sich explizit an Kinder richten. So ist das Problem beispielsweise in Second Life, das grundsätzlich auf Erwachsene ausgelegt ist, weniger häufig, als in den boomenden Online-Clubs wie Disneys Club Penguin oder Habbo Hotel. „Das so genannte Maingrid in Second Life ist nur Nutzern ab 18 Jahren zugänglich. Für Nutzer zwischen 13 und 17 Jahren ist Teen Second Life und ein eigenes Grid aktiv“, erklärt Silvio Remus vom deutschen Second-Life-Portal SLinside. Das gemeinsame Miteinander und die soziale Interaktion von Kindern und Jugendlichen in virtuellen Welten unterscheide sich im Grunde nicht von jenem aus Webcommunitys oder dem realen Leben, meint Remus.

Passwörter schützen

Um dem Mobbing und dem schlechten Benehmen entgegenzuwirken, versuchen die Betreiber der Kinder-Onlinewelten nun vermehrt aufzuklären oder setzen verstärkt Kontrollinstrumente ein. So wird zum Beispiel auf den meisten Plattformen jedes einzelne Wort, das ein Kind eintippt, mitverfolgt und auf seinen Inhalt geprüft. Außerdem weisen die Portale explizit darauf hin, dass keine Passwörter leichtsinnig herausgegeben werden sollen, um virtuelle  Betrugsfälle oder Diebstähle zu vermeiden. „Kinder und Jugendliche können das Risiko senken, indem sie online immer vorsichtig mit ihren persönlichen Daten und Fotos umgehen“, so die Experten. Daneben sei es ratsam, sich auf Kommunikationsplattformen nicht auf Streitereien einzulassen.

Niedrige Hemmschwelle

Laut einer Studie der University of California in Los Angeles (UCLA) sind die Kids unglaublich ideenreich, wenn es darum geht, sich gegenseitig zu betrügen oder auszutricksen. Das resultiere vor allem daraus, dass die Kinder – ähnlich wie Erwachsene – sich im Netz eher zu schlechtem Benehmen hinreißen lassen als im realen Leben. Die Hemmschwellen sind niedriger und die Angst vor möglichen Konsequenzen sehr gering. Trotz Kontrollmaßnahmen seitens der Betreiber fühlen sich die Kinder weit weniger beobachtet als beispielsweise durch einen Lehrer in der Schule.

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