Internet: Neue Gefahren für junge Surfer, 1

55 Millionen Euro investiert die EU in ein Programm, das Kinder und Jugendliche vor Gefahren im Cyberspace schützen soll. Gefordert sind aber auch
die Provider – und die Eltern.

Wie eng die virtuelle Realität und das Leben offline miteinander verknüpft sind, müssen immer mehr Kinder und Teenager in bitteren Lektionen lernen. Das belegt auch eine Studie des amerikanischen „Pew Internet Projects”: Experten haben Jugendliche, die regelmäßig das Internet nutzen, befragt. Ergebnis: Jeder dritte Teenager wurde schon Opfer von digitalem Mobbing, von Belästigungen und Beleidigungen via Internet. Private oder gar intime Mails werden an – sehr viele – Dritte weitergeleitet, Gerüchte gezielt in die virtuelle Welt gesetzt. Fotos, die besser niemand sehen sollte, werden ohne das Wissen der abgebildeten Personen der Web-Gemeinde präsentiert. Diese neue Art von digitalem Zores ist ein Phänomen des Web 2.0 – jener Internetform, die von den Inhalten der User lebt – und heißt im Fachjargon „Cyber-Bulling“.

Die neuen Gefahren des Web 2.0

„Cyber-Bulling“ ist wie auch „Grooming“ (die Kontaktaufnahme mit Kindern und Jugendlichen im Internet in Missbrauchsabsicht) eines der zentralen Themen im neuen EU-Sicherheitspaket zum Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Auch die Bekämpfung von illegalen Websites soll forciert werden. Das mit 55 Millionen Euro budgetierte Projekt baut auf den 2005 initiierten Safer-Internet-Maßnahmen auf, es startet im Jänner 2009 und soll bis 2013 laufen. „Kinder und Jugendliche werden bei der Nutzung von Web-2.0- Diensten mit neuen Risiken konfrontiert. Die EU wird die notwendigen Maßnahmen koordinieren, um Kindern das nötige Wissen zu vermitteln und sie zu schützen”, erklärte die für die Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding nach dem Beschluss des Pakets im EU-Parlament. In Österreich werden die Maßnahmen von der bundesweiten Initiative Saferinternet.at, die eng mit einigen Providern wie UPC, Telekom und Tele 2 zusammenarbeitet, gebündelt.

Was tun Ihre Kids im Internet?

Die Provider werden in dem neuen EU-Programm auch expliziert aufgefordert, Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Teenagern vor Online-Gefahren zu setzen. Eine Anfrage bei den großen österreichischen Anbietern von Internetanschlüssen zeigt, dass sich diese ihrer Verantwortung bewusst sind (siehe Kasten), ihre Möglichkeiten zum Schutz junger Web-User sind allerdings begrenzt. „Technische Filter sind für ganz junge Einsteiger geeignet. Wenn Teenager, die erfahrene Web- User sind, gezielt nach Inhalten suchen, dann finden sie diese auch“, weiß Mag. Bernhard Jungwirth, Geschäftsführer beim Österreichischen Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und Projektkoordinator von Saferinternet.at. Wichtig sei daher, dass sich die Eltern dafür interessieren, was ihre Kids im Internet machen. Besteht Grund zur Annahme, dass Risiken eingegangen oder ungeeignete Websites besucht werden, sollten die Eltern das thematisieren, und gegebenenfalls entsprechende Regeln aufstellen. Besonders warnen möchte Jungwirth alle Kids und Eltern vor der unüberlegten Weitergabe persönlicher Daten. Der Schutz der Privatsphäre dürfe auch in Cyber-Communitys wie MySpace nicht vergessen werden.

Jugendsünden auf öffentlichen Fotos verewigt

„Kinder und Jugendliche sind oft sehr leichtsinnig, was die Weitergabe von Daten wie Mail-Adressen, Telefonnummern, Passwörtern und Kontonummern betrifft“, warnt Jungwirth. Hier sei es wichtig, dass die Kids die möglichen negativen Konsequenzen von Datenmissbrauch kennen. Diese können lästig sein – wenn Mail-Adressen mit Werbung zugemüllt werden – aber auch kostspielig, wenn beispielsweise Passwörter, Kontonummern oder  Kreditkartendaten in die falschen Hände geraten. Besonders problematisch sei auch das Online-Stellen von Fotos, die nicht für  die breite Öffentlichkeit bestimmt sind. „Wenn peinliche Partyfotos plötzlich von vielen Bekannten oder Lehrern gesehen werden, kann das für die abgebildeten Personen ziemlich unangenehm sein“, so Jungwirt. Und noch Jahre später negative Folgen haben. „Es ist bekannt, dass viele Personalmanager bei Firmen die Namen von Bewerbern in Suchmaschinen wie Google eingeben“, sagt Jungwirth. „Und wenn dann ein eher unvorteilhaftes Foto von einem jugendlichen Partyexzess ans Licht kommt, kann das die Jobaussichten durchaus schmälern.“

Nachgefragt: Was tun die Provider zum Schutz von Kindern und Jugendlichen?

„Wir von UPC sind überzeugt, dass es in erster Linie wichtig ist, sowohl die betroffenen Kinder, aber auch deren Eltern über die potenziellen Gefahren, denen man bei Benutzung des World Wide Web begegnen kann, aufzuklären. Als Provider sind wir daher an unterschiedlichen Initiativen beteiligt, wir haben heuer auch das ‚E-Sicherheits- Kit für die Familie‘ herausgegeben, das sich an die Altersgruppe der 6- bis 12-Jährigen wendet.“ Mag. Niuscha Vakil-Adli, Director Business Unit Internet & Telephony von UPC Austria

„Technische Beschränkungen wie Filterprogramme, Spam- und Virenschutz, den wir als automatischen Basisdienst anbieten, können vor unerwünschten E-Mails und problematischen Internetseiten schützen. Diese Programme alleine sind aber kein vollständiger Schutz. Auch das Bewusstsein der Eltern für die Chancen, aber auch die Risiken und Gefahren des Webs und eine frühe Medienerziehung spielen eine ganz entscheidende Rolle.“ Martin Bredl, Leiter Kommunikation Telekom Austria TA AG

„Das Tele2-Sicherheitspaket bietet Eltern mit der Erstellung eigener Profile tolle Möglichkeiten, ihre Kinder vor nicht geeigneten Inhalten zu schützen. Die Profile können altersabhängig erstellt werden, zum Beispiel eines für die 8-jährige Tochter und ein Profil für den 12-jährigen Sohn.  Das Programm blockiert dann auf Wunsch den Zugriff auf Internetseiten mit Inhalten, die nicht jugendfrei sind, und es kann genau festgelegt werden, welche Internetseiten von Kindern abgerufen werden dürfen.“ Torsten Schwick, Vertriebs- und Marketingleiter Privatkunden bei Tele2

Keine Blind Dates für Kids!
Schärfen Sie Ihren Kindern ein: Sie sollen sich niemals alleine mit Leuten treffen, die sie im Internet kennengelernt haben, sondern immer einen Erwachsenen mitnehmen, dem sie vertrauen.

SAFER INTERNET
So können Sie Ihren Kids beim sicheren Surfen helfen.
- Gemeinsam surfen: Zeigen Sie Ihren Kindern die Welten des Internets und Plattformen für altersadäquate Inhalte. Und lassen Sie sich immer wieder
die Lieblingssites Ihres Kindes zeigen.
- Fixe Regeln: Klären Sie mit Ihren Kids, welche Seiten besucht, welche Daten heruntergeladen werden dürfen und was nicht erlaubt ist.
- Vorsicht bei der Datenweitergabe: Erklären Sie die Risiken leichtsinniger Datenweitergabe. Tipp: Vereinbaren Sie, dass Ihr Kind Name, Adresse, Telefonnummer und Fotos nur nach Absprache mit Ihnen weitergibt.
- Surfen ist eine Entdeckungsreise: Kinder können zufällig oder aus Neugierde auf bedenkliche (z.B. pornografische, neonazistische) Inhalte stoßen. Statt hier überzureagieren, sollten Sie die auf diesen Websites thematisierten Inhalte diskutieren und eventuell Regeln vereinbaren.
- Real-Life-Treffen mit Online-Bekanntschaften: Das Internet ist ein toller Ort, um neue Menschen kennenzulernen. Damit es bei Real- Life-Treffen keine unangenehmen Überraschungen gibt: Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass bei solchen Treffen immer ein vertrauter Erwachsener oder ein Freund dabei sein soll.

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