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Pränataldiagnostik: Ist unser Kind gesund?

Medizinische Untersuchungen während der Schwangerschaft lassen bereits früh mögliche Auffälligkeiten beim ungeborenen Kind erkennen. Häufig sind die Testergebnisse aber nur schwer interpretierbar und sorgen für Angst und Verunsicherung bei den werdenden Eltern. Gefordert wird daher mehr Unterstützung für Schwangere und deren Partner im Umgang mit Pränataldiagnostik.

Im Rahmen eines interdisziplinären Projekts an der renommierten Akademie für Politische Bildung in Tutzing befasste sich Dr. Mariella Hager, Soziologin am Institut für höhere Studien in Wien, mit den Auswirkungen von Pränataldiagnostik aus interdisziplinärer Perspektive. Ziel des fächerübergreifenden Diskurses war es, Aspekte aus Medizin, Sozialwissenschaften, Philosophie, Pflegewissenschaft, Journalismus, Sozialer Arbeit und mehr zu erfassen und einander gegenüber zu stellen.

Pränataldiagnostik kann zu Ängste verursachen

Durch Pränataldiagnostik wird das ungeborene Kind auf mögliche Behinderungen und Erkrankungen untersucht. Pränataldiagnostik ist in Österreich nicht verpflichtend, doch gehört sie als individuelle Gesundheitsleistung bereits zum Standardangebot der medizinischen Schwangerschaftsbegleitung, manche Untersuchungen werden nahezu flächendeckend bei allen Schwangerschaften durchgeführt. Durch Ultraschall lassen sich bereits früh Auffälligkeiten entdecken, die auf etwaige Krankheiten oder Chromosomenveränderungen hindeuten können. In den letzten Jahren haben sogenannte NIPTs (molekulargenetische „nichtinvasive Pränataltests“) für Aufsehen gesorgt weil bereits wenige Milliliter mütterlichen Bluts ausreichen, um Rückschlüsse auf die DNA des Ungeborenen und damit auf mögliche Behinderungen oder Erkrankungen zu ziehen. Problematisch ist, dass die Ergebnisse dieser Tests nur in Form von Wahrscheinlichkeiten angegeben werden können, welche häufig schwer interpretierbar sind und oftmals dazu führen, dass eine „Angst- und Untersuchungsspirale“ bei der Schwangeren ausgelöst wird. Pränataldiagnostik gewinnt einerseits auf Grund immer genauer werdender Diagnosemethoden an Relevanz, andererseits auf Grund eines deutlichen Trends zur späten Mutterschaft, welcher mit einem steigenden Risiko für Chromosomenabweichungen wie Trisomie 21 (Down Syndrom) einhergeht.

Mögliche Handlungsoptionen und Folgen

Gesellschaftlich gibt es den unangefochtenen Druck, ein gesundes Kind zu bekommen. Bei einer diagnostizierten schwerwiegenden Behinderung oder Erkrankung beim Ungeborenen sind verschiedene Handlungsoptionen denkbar. Pränataldiagnostik ermöglicht den frühzeitigen Einsatz zielgerichteter Therapien bei Kindern vor, während oder nach der Geburt. In wenigen Fällen kommt feto-maternale Chirurgie zum Einsatz, d. h. bei einigen Fehlbildungen sind Eingriffe schon im Mutterleib möglich. In der Praxis führt die Diagnose einer schwerwiegenden Behinderung zur Frage, eine Schwangerschaft fortzusetzen oder abzubrechen. Dies bedeutet für Betroffene einen überaus belastenden Entscheidungskonflikt, sie müssen sich mit der Möglichkeit eines Spätabbruchs auseinandersetzen. Entscheiden sie sich für einen Abbruch der Schwangerschaft kann dies eine sehr traumatische Erfahrung sein. Manche Ärzte und Ärztinnen klären daher auch über die Möglichkeit auf, ein Kind mit infauster Prognose (Überlebensfähigkeit nicht gegeben) bis zur Geburt auszutragen und es natürlich versterben zu lassen. Bei der Entscheidung der Geburt eines Kindes mit Behinderung tragen Eltern oft Sorge vor Isolation und Überforderung und gesellschaftlicher Exklusion. Ein Ergebnis des Diskurses bezieht sich daher auch darauf, wie betroffene Eltern und Kinder von der Gesellschaft besser unterstützt werden müssen.

Im Diskurs zu Pränataldiagnostik wurden Chancen, Risiken und Folgen aktueller Entwicklungen der Pränataldiagnostik in regelmäßigen mehrtägigen Workshops interdisziplinär diskutiert. Das Projekt erstreckte sich über den Zeitraum eines Jahres und mündete in einer Abschlussveranstaltung und der Publikation „Pränataldiagnostik im Diskurs. 23 Thesen“, welche nun helfen soll, Handlungsempfehlungen für Gesellschaft und Politik abzuleiten.

Bessere Beratung und Betreuung gefordert

„Der Bereich um Schwangerschaft und Geburt ist heute für Frauen und ihre Partner zu einem anspruchsvollen Projekt geworden, bei dem es zunehmend um Reflexion und individuelle Entscheidung geht. Der Wunsch, alles richtig machen zu wollen, eine Zunahme pränataldiagnostischer Untersuchungen und großer gesellschaftlicher Druck, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, haben gestiegene Unsicherheiten und Ängste zur Folge“, erklärt Dr. Mariella Hager. „Das Erlebnis einer unbeschwerten Schwangerschaft ist häufig nicht mehr gegeben, auch wenn sich ein Verdacht auf eine Auffälligkeit im Nachhinein als unbegründet herausgestellt hat. Aus meiner Sicht benötigen Schwangere und ihre Partner mehr Unterstützung im Umgang mit Pränataldiagnostik. Dies kann nur durch an den Bedürfnissen werdender Eltern orientierter und zielgerichtete Maßnahmen erfolgen. Diese sollen einerseits dazu dienen, die Gesundheits- und Entscheidungskompetenz Betroffener zu fördern, andererseits die Beratungs- und Betreuungskompetenz im gesamten professionellen Umfeld werdender Mütter und Väter zu stärken.“

Foto: Fotolia

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