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Teenager-Sorgen: Papa, du bist so peinlich!

Musikmanager Peter Draxl der viel zu schnelle Musik hört, ein viel zu lautes Motorrad fährt und sich oft gar nicht wie ein erwachsener Mensch benimmt, erlebt so allerlei mit seinem Kind. Egal ob bei Ausflügen, im Urlaub, im Freibad, bei festlichen Anlässen, Konzert- oder Kinobesuchen, oder einfach nur im alltäglichen Haushaltswahnsinn – jetzt hat er ein Buch darüber geschrieben.

Peter Draxl ist der Rock ’n’ Roll-Daddy. 1970 in Villach geboren, arbeitete er jahrelang als Manager in der Musikbranche, erst bei EMI Records, danach bei Universal Music Austria, war Teil der Karriereschmiede großer Stars, von den Rolling Stones bis U2. Neben der Karriere ist Peter Draxl auch Vater einer mittlerweile 15-jährigen Tochter und nimmt seine Rolle als Papa durchaus ernst. Als nicht ganz alltäglicher Vater erlebt er auch viele peinliche, lustige und schräge Momente. „Papa Peinlich“ ist seine sehr vergnügliche Sammlung aus Kurzgeschichten, die das Leben mit seiner Tochter schreibt. 

Damit Sie einen kleinen Vorgeschmack bekommen, lesen Sie hier, wie schwierig der Kauf von Schuhen der Marke Converse werden kann:

Wozu braucht man echte Converse eigentlich? Was ist echt? Was ist unecht? Gewisse Dinge entziehen sich meinem Intellekt, meinem Verständnis, meinem Allem. 

Ich hab Angst. Nackte Angst. Vor der Tatsache, mit einem Teenager bei offenen Läden durch DIE Einkaufsstraße der Stadt zu schlendern. Ich hab Angst vor jedem Geschäft, ich halte meine Brieftasche fest, warum hab ich Idiot sie nicht einfach zu Hause gelassen? Ok, Kind braucht neue Schuhe und neue Jeans. Leider wachsen diese kleinen Menschen irre schnell, und was vor einem halben Jahr noch zu groß war, ist jetzt lächerlich klein ... 

Gut, wir stürzen uns mit Todesverachtung – also ich jedenfalls – ins Gewühl. Schauplatz: Wien, Mariahilfer Straße, Fußgängerzone. Freitagnachmittag auch noch.  Wieso Freitag? Ich versteh das nicht, warum sind genau HEUTE früh anscheinend Hose und Schuhe zu klein geworden? Wachstumsschub über Nacht? O Gott, und alles, was gehen kann, ist natürlich genau heute auf den Beinen. Rein ins Schuhgeschäft vom alten Franz. Kind wühlt sich aufgeregt durch die Regale und kommt freudestrahlend mit einem Paar Sneakers um die Ecke. Eh schön, denk ich mir und blicke auf den Preis. What the hell? Ein paar Sneakers in Größe 37 kosten knapp 100 Euro? Im Ernst? Mein erstes Auto hat nicht so viel gekostet, gut, damals waren es noch 1.500 Schilling. 

„Müssen es denn genau diese sein? Genau diese Marke? Es gibt noch andere, die sehen doch exakt gleich aus und kosten ein Fünftel, den Unterschied merkt doch keiner.“ Ich blicke in ein verschrecktes Gesicht, so als hätte ich gerade verkündet, dass draußen auf dem Platz Außerirdische gelandet sind, um endlich die Weltherrschaft zu übernehmen. Zeit wär’s eigentlich. 

Papa, man erkennt auf den ersten Blick, ob das echte oder nicht echte Converse sind, ich kann doch nicht mit irgendwelchen 20-Euro-Schuhen in die Schule, die lachen mich doch alle aus!

Vati bleibt stur. Wer bringt den Kindern eigentlich diesen Markenwahnsinn bei? Ich sicher nicht, die Lehrer schon gar nicht, wenn ich mir die ansehe, bin sogar ich als manchmal sehr geschmacksbefreiter Rock’n’Roller peinlich berührt. Also sind’s die Mitschüler. Verdammt. 

„Nein, wir suchen uns jetzt ein anderes Geschäft, und wir werden Schuhe finden, die komplett gleich aussehen und nur null Euro kosten!“  Teenager schmollt. Jo mei. Man schenke mir einen Esel, der Golddukaten kackt, und ich bin nicht mehr peinlich. Nächstes Geschäft. Kind geht entweder fünf Meter hinter mir oder fünf Meter vor mir. Mit der Attitüde: Ich kenne diesen Menschen nicht. Der gehört nicht zu mir. 

Nächster Schauplatz: Jeansladen namens amerikanische Metropole. Hier wird’s leicht, denk ich. Falsch gedacht. Jeans sind nicht gleich Jeans, es muss nämlich G* draufstehen, alle anderen, die 25 Euro kosten, sind natürlich hässlich, schiach, dumm und voll peinlich. Nächster Disput. „Ich zahl doch nicht für jedes Trumm ein Vermögen, nur weil sie X oder Y heißen! In einem halben Jahr passt dir der ganze Krempel sowieso nicht mehr.“ So. Damit hab ich mich endgültig als Fashionikone versenkt. Für alle Zeiten nämlich. Aus den fünf Metern Abstand sind zehn geworden. Dieser Kerl, der einfach nicht verstehen will, wie man sich heute kleidet, gehört sicher nicht zu mir! Ich kann ihn an ihrem Blick erkennen, diesen warmen Hauch von Ärger, Geringschätzung, Unverständnis.  Jetzt reicht es mir. Teenager ins Auto gepackt und in die Shopping Mall gedüst, zu all den großen Läden, die wir alle so gut kennen, mit vernünftigen Preisen. Egal ob deutsche, schwedische oder spanische Kette, wenn wir hier nicht fündig werden, gebe ich auf. Die zehn Meter Distanz schrumpfen wieder deutlich merkbar, ein Paradies an Auswahl, ein Eldorado an erschwinglichem, normalem Zeug. Schuhe ohne Stern, die aber komplett gleich aussehen, um null Euro! „Du beschmierst sie ohnehin mit Filzstiften und in einer Woche sehen sie aus, als hättest du sie seit zwei Jahren durchgehend an, plus einen Triathlon hinter dir.“ Volltreffer! Erwischt! Haha, ich freu mich. Sneakers, Jeans, alles gefunden, die Distanz verringert sich auf 1 Meter neben mir, was wahrscheinlich blanke Resignation bedeutet. Oder vielleicht doch einen Hauch von Zufriedenheit? Ich werd’s wohl nie erfahren. Bleibe aber optimistisch. 

Buch-Tipp: Papa Peinlich, Milena Verlag, 21 Euro

Illustration: Shutterstock

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